Warum lernen wir Geschichte? Was ist Geschichte, und wie können wir aus der Vergangenheit die Gegenwart besser verstehen? In Anlehnung an den Gedanken Søren Kierkegaards, dass das Leben vorwärts gelebt, aber rückwärts verstanden wird, beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler am Marion-Dönhoff-Gymnasium mit diesen grundlegenden Fragen. Der Geschichtsunterricht eröffnet ihnen Zugänge zu vergangenen Lebenswelten und zeigt, wie historische Ereignisse und Entwicklungen unsere heutige Gesellschaft geprägt haben.
Der Geschichtsunterricht findet am MDG in den Klassen 6 bis 10 statt. Die Schülerinnen und Schüler erwerben historisches Wissen, untersuchen Quellen und Darstellungen und setzen sich mit unterschiedlichen Deutungen der Vergangenheit auseinander. Sie lernen, historische Zusammenhänge zu erkennen, Informationen kritisch zu prüfen und zwischen historischen Ereignissen und deren späterer Interpretation zu unterscheiden.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung der historischen Urteilsfähigkeit. Anhand zentraler Menschheitsfragen wie Krieg und Frieden, Demokratie und Diktatur, Nachhaltigkeit und Menschenrechten untersuchen die Schülerinnen und Schüler unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten, Interessen und Wertvorstellungen in ihrem jeweiligen historischen Kontext. Sie lernen, historische Entscheidungen und Entwicklungen auf der Grundlage von Quellen und Sachkenntnissen zu beurteilen und ihre eigenen Urteile nachvollziehbar zu begründen.
Dabei geht historisches Lernen über den Klassenraum hinaus. Besuche außerschulischer Lernorte und von Gedenkstätten, Zeitzeugeninterviews sowie fächerverbindende Projekte ermöglichen unterschiedliche Zugänge zur Vergangenheit. Die Schülerinnen und Schüler begegnen historischen Spuren vor Ort, setzen sich mit individuellen Erfahrungen auseinander und betrachten historische Themen aus verschiedenen Perspektiven. So erfahren sie, dass Geschichte nicht nur aus überlieferten Fakten besteht, sondern auch davon geprägt ist, wie Menschen Ereignisse erinnern, erzählen und deuten.
Die kritische Auseinandersetzung mit Geschichte zeigt sich auch im Zitat unserer Namensgeberin Marion Dönhoff:
„Jedes Volk hat seine spezifische Art, geschichtliche Ereignisse in Legenden oder Symbole umzusetzen, und gewiss weicht oft am Ende die Legende erheblich von dem eigentlichen Geschehen ab.“ (Die Zeit, 29/1952)
Das Zitat verdeutlicht, wie wichtig es ist, historische Überlieferungen kritisch zu hinterfragen und zwischen vergangenen Ereignissen und späteren Deutungen zu unterscheiden.
Wir möchten die Schülerinnen und Schüler befähigen, historische Quellen kritisch auszuwerten, Zusammenhänge zwischen Vergangenheit und Gegenwart herzustellen und historische Sach- und Werturteile begründet zu formulieren. Sie sollen erkennen, wie Demokratie, Menschenrechte und gesellschaftliche Werte historisch entstanden sind und warum sie nicht selbstverständlich sind. Unser Ziel ist es, historisches Denken zu stärken und die Schülerinnen und Schüler darin zu unterstützen, gegenwärtige gesellschaftliche Fragen reflektiert zu beurteilen, unterschiedliche Sichtweisen zu berücksichtigen und als mündige, verantwortungsbewusste Mitglieder der Gesellschaft zu handeln.
Vergangenheit verstehen – Zukunft gestalten